Feng Shui, der Stress, die Selbstkontrolle und der Bereich 8

digitale demenzDas unbedingt empfehlenswerte Buch „Digitale Demenz“ von Manfred Spitzer hat mich zu diesem Artikel inspiriert.

Manfred Spitzer beschreibt, wie digitale Medien auf unser Gehirn wirken. Kurz und bündig: Sie üben auf unser Gehirn, wenn überhaupt, negative Effekte aus, dies wird eindrücklich belegt.

Besonders interessant auch im Zusammenhang mit Feng Shui ist das Kapitel 11: Selbstkontrolle versus Stress.
Wir erfahren darin, dass wir im Kindes- und Jugendalter lernen, langfristige Ziele zu verfolgen und uns nicht ständig unmittelbaren Reizen hinzugeben. Dies wird im Alltag spielerisch geübt und erfahren, z.B. durch gemeinsames Kochen (es lohnt sich, auf den fertigen Kuchen hinzuarbeiten und zu warten, dazu muss man widerstehen können, die süssen Zutaten unverarbeitet aufzuessen), Singen (das tönt nur schön, wenn alle gleichzeitig das gleiche Lied singen), Spielen (es gibt Spielregeln einzuhalten, damit ein Spiel funktioniert), Bauen oder andere alltägliche Handlungen.
Die so entwickelte „Selbstkontrolle“ oder auch Willenskraft hilft uns, Aktivitäten aller Art kontrolliert zu Ende zu führen.
Kinder, die sich im Kindergartenalter besser hatten „beherrschen“ können, durften von mehr Gesundheit, Wohlstand und glücklicheren sozialen Lebensumständen profitieren als Gspändli, die zu wenig gelernt hatten, auf unmittelbare Reize zugunsten späterer Belohnungen zu verzichten, so eine Langzeitstudie.

Nun ist Stress gemäss Manfred Spitzer nichts anderes als fehlende Selbstkontrolle:
„Nicht die unangenehmen Erfahrungen bewirken Stress, sondern das Gefühl, ihnen machtlos ausgeliefert zu sein.“

Wer häufig digitale Medien wie das Fernsehen, Computerspiele oder das Internet nutzt, gibt die Selbstkontrolle nachhaltig ab und liefert sich somit Stress aus. Durch zahllose Reize, die das Gehirn gar nicht verarbeiten kann, werden Aufmerksamkeitsstörungen regelrecht eingeübt. Schnell geschnittene Cartoons beispielswiese befördern unsere Fähigkeit zur Selbkontrolle nachweislich in den Keller. (Hingegen verbessert z.B. die Konzentration beim Zeichnen die Selbstkontrolle deutlich.)

Was hat das nun alles mit Feng Shui zu tun?

Der Bereich 8 steht im Bagua unter anderem für die Thematik der Macht (das Zahlwort „acht“ ist sowohl in „Macht“ als auch in „Ohnmacht“ enthalten).
Wir müssen also im Bereich 8 nachforschen, wenn es darum geht, sich (wie oben zitiert) unangenehmen Erfahrungen „m8-los“ ausgeliefert zu fühlen!

In seiner eigenen Macht zu sein, bedeutet, möglichst in seiner Mitte zu ruhen und aufgrund dieser inneren Stabilität äusserlich flexibel zu bleiben – genau das beschreibt auch Manfred Spitzer inhaltlich unter dem Motto „Selbstkontrolle“. In seiner eigenen Macht zu sein, bedeutet auch, „der Schöpfer oder die Schöpferin“ des eigenen Lebens zu sein, selbstbestimmt zu leben und für das eigene Leben die Verantwortung zu übernehmen.
Das Gegenteil davon ist die „Opfer“-Mentalität, die vor allem Chuck Spezzano in seinen Büchern eindrücklich beschreibt. Als Opfer fühle ich mich selbst ohnmächtig, fühle mich also nicht mächtig, selbst zu handeln und etwas zu verändern. Alle werden mir beipflichten, dass diese Wahrnehmung des eigenen Lebens „stresst“! Ich mache Umstände und andere Personen für mein Leben verantwortlich und versuche, meinen „Stress“ zu reduzieren, indem ich mich selbst aus der Verantwortung ziehe; das geht jedoch nicht auf, weil ich mich ja dadurch umso machtloser fühle.
Mit diesem Bewusstsein werde ich es wiederum nicht schaffen, die Kontrolle (auch: Selbstkontrolle, s. oben!) wieder zu erlangen (Teufelskreis), sondern ich muss zuerst „erlicken“, dass die Welt anders funktioniert, damit ich mein Leben wieder selbst steuern kann.

Die Passivität vor den Bildschirmen und auch die Inhalte, die uns beispielsweise das Fernsehen präsentiert, fördern, dass man sich selbst eher als Opfer denn als SchöpferIn wahrnimmt.

Der Bereich 8 steht auch für die eigene Persönlichkeitsentwicklung, im Speziellen die Entwicklung durch „innere Einkehr“. Das entsprechende Symbol aus dem I-Ging ist ein Berg mit einer Höhle, der für Rückzug nach innen steht.
Nutzen wir häufig digitale Medien, so erfahren wir dadurch Ablenkung und Verzettelung. Unsere Aufmerksamkeit wird nachhaltig gestört.
Wir konzentrieren uns durch Mediennutzung auf das „Aussen“: Die Medien führen uns vor, wie wir sein sollten.

Der Rückzug in den Berg (8) bedeutet nicht zwangsläufig Meditation oder gar Einsiedelei (im Gegenteil: soziale Kontakte fördern die Persönlichkeitsentwicklung ebenfalls).
Dem Ziel der 8, dem In-Seiner-Eigenen-Macht-Sein, kommt man umso näher, je mehr man im Hier und Jetzt lebt: Die Erfahrungstiefe bei Erlebnissen trägt dazu bei, dass man die gemachten Erfahrungen besser „integrieren“ kann und dies fördert natürlich die persönliche Entwicklung, denn integrierte Erfahrungen sind nichts anderes als gelernte Inhalte.
Persönlichkeitsentwicklung findet dann statt, wenn ich mich auf etwas konzentrieren und fokussieren kann, wenn ich mich für etwas leidenschaftlich interessieren und begeistern und ein Ziel intensiv verfolgen kann.

Lasse ich mich aber permanent von digitalen Medien oberflächlich berieseln und zerstreuen, lasse ich mir während dieser Zeit tiefe und glückliche Erfahrungen (z.B. durch Naturerlebnisse, erfüllende Sozialkontakte usw.) entgehen, die mich hätten bereichern können, und selbst wenn ich wieder einmal Gelegenheit dazu habe, ist meine Aufnahmefähigkeit durch die Zerstreuung eingeschränkt.

Das Ziel kann es nicht sein, digitale Medien gänzlich aus dem Leben zu verbannen, denn sie erleichtern uns ja in gewissen Situationen das Leben und sind uns oft nützlich (beispielsweise jetzt, wenn Sie diesen Artikel lesen 🙂 ).

Beschränken wir aber unseren Medienkonsum auf das Wesentliche, fördern wir damit grundsätzlich unseren Bereich 8.

In der Feng Shui-Einrichtung bedeutet das:

Das Motto ist klar: „Weniger ist mehr“.
Um uns zu fokussieren statt zu zerstreuen, um uns zu zentrieren anstatt ablenken zu lassen, wählen wir – zumindest in gewissen Bereichen unseres Zuhauses – eine schlichte Einrichtung.
Wir entscheiden uns zu diesem Zweck für möglichst wenige Farben pro Raum (maximal zwei). Wobei eins gesagt sein muss: Weiss ist meistens keine geeignete Standardfarbe, um Gewünschtes zu bewirken. Es lohnt sich also vor allem bei einer schlichten Gestaltung, eine „bunte“ (das heisst nicht knallige) Wandfarbe zu wählen.
Damit der Raum nicht zur Passivität anregt, setzen wir wenige, aber bewusste und effektvolle Akzente, diese z.B. in einer zweiten, intensiveren Farbe. Solche Akzente helfen zu fokussieren und zu aktivieren.

Welche Farben und Akzente bei Ihnen zuhause „Sinn stiftend“ sind, erfahren Sie am besten bei einer Feng Shui-Beratung.

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Buchempfehlungen:
Digitale Demenz, Manfred Spitzer, ISBN 978-3-426-27603-7
Die geistigen Gesetze, Kurt Tepperwein, ISBN 978-3442216109
Wenn es fesselt, ist es keine Freiheit, Chuck Spezzano, ISBN 978-3778792162

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