Das Geschäft mit der Erneuerung

schmetterling_transformationDer Jahreswechsel ist für viele ein Anlass, um sich über Hoffnungen und Ziele im neuen Jahr klar zu werden. Wie können wir uns im neuen Jahr neu definieren, uns erneuern, uns der Zeit und der sich verändernden Welt hingeben, um doch im Kern so zu bleiben, wie wir gemeint sind?

Seit längerem beobachte ich, dass viele (vor allem) Frauen den Wunsch haben, ihr berufliches Tätigkeitsfeld zu verändern. Sie sehen im aktuellen Beruf keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten und wünschen sich etwas Sinnerfüllteres. Das ist begreiflich. Dass Frauen, die mitten im Leben stehen, nicht noch eine langjährige vollzeitliche Ausbildung machen möchten, ebenso.

Ausserhalb der staatlich anerkannten Berufsausbildungen gibt es zahlreiche Angebote, die vor allem diese besagten Frauen ansprechen. Diese Ausbildungen erfordern meist keine Vorkenntnisse, dauern nicht allzu lange und sind für viele erschwinglich.

Die Vorstellung, relativ schnell zu einem neuen „Beruf“ zu kommen, ist reizvoll. Aber mit dem Zertifikat ist es nicht getan: Danach wartet die eigentliche Herausforderung. Einerseits geht es beim neuen Beruf oft nicht um das Abdecken von Grundbedürfnissen wie bei einer Bäckerei oder einem Coiffeursalon, es ist deshalb kniffliger, das Interesse der Kundschaft zu wecken. Je nach Tätigkeitsfeld besteht wenig Aussicht auf einen regelmässigen, gesicherten Verdienst. Zu den Ausbildungskosten kommen die Beschaffungskosten für Material und Ausrüstung, für Werbung und Weiterbildung. Eine berufliche Selbständigkeit in einem neuen Bereich aufzubauen erfordert Klarheit, einen starken inneren Wunsch, Talent, Geduld, Zeit, Hingabe, Ausdauer, Geschick und Glück.

Viele Zertifikatsanwärterinnen und -anwärter haben jedoch unrealistische Vorstellungen und sind sich zu wenig im Klaren, wie es nach der Ausbildung weiter gehen soll. So stehen reihenweise zertifizierte Trageberaterinnen, Farbberaterinnen, Doulas, Ayurveda-Fachfrauen, Astrologinnen und natürlich auch Feng Shui-Beraterinnen ohne Aufträge da. Dadurch können sie auch keine Erfahrungen auf ihrem Gebiet sammeln, und das erworbene Wissen geht schnell verloren.

Natürlich ist die Ausbildung selber immer persönlich bereichernd. Aber es ist auch ein grosses Geschäft der Anbietenden, und leider für die Ausgebildeten nicht selten ein finanzieller Verlust.

Um sich immer wieder zu erneuern, ist kein Berufswechsel nötig. Hier einige Alternativen:

– Jeder Beruf mit Kontakt zu anderen Menschen ist ein hochinteressantes Feld. Hier können wir uns darin üben, uns selbst und andere wahrzunehmen und die Hintergründe für unser Verhalten zu durchschauen.

– Auch in der Familie ist dies möglich, wobei wir da manchmal „zu tief drin“ sind, um eine Aussen-Perspektive einzunehmen.

– Wem die eigene Tätigkeit immer noch zu wenig sinnvoll erscheint, kann zusätzlich eine freiwillige Arbeit übernehmen. Oft geht es dabei auch darum, mit Menschen in Kontakt zu sein und sie zu unterstützen, also um eine Art der Lebens“beratung“. Beispiele: Mithilfe in der Gassenküche, freiwillige Beistandschaft, Hausaufgabenhilfe für Kinder.

– Bewusstseinsentwicklung macht mit Gleichgesinnten doppelte Freude. Zusammen mit einer Freundin das gleiche Buch lesen (z.B. den Klassiker „Gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall B. Rosenberg) und gemeinsam „dran bleiben“ und üben könnte ein nachhaltiges Projekt für das Jahr 2015 werden!

Wer Alltagssituationen nutzt und bereits vorhandenes „Wissen“ übt und verinnerlicht, besucht die Schule des Lebens. In dieser Schule spielen äussere „Bestätigungen“ wie Ausbildungen und Zertifikate keine Rolle. Das Glück liegt in den kleinen Alltagsgeschichten, in denen wir unser inneres Licht scheinen und wachsen lassen können. Welchen Beruf wir daneben ausüben, verliert dann an Bedeutung.

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